Belarus in Europa, Belarus auf der Europakarte
Belarus, nach amtlicher Bezeichnung „Republik Belarus“, ist ein Binnenstaat in Osteuropa. Der Staat ist hierzulande auch unter dem Namen Weißrussland bekannt, wobei inzwischen vermehrt von Belarus statt Weißrussland gesprochen wird. Dies hat vor allem politische Gründe: so wird die Umbenennung dadurch begründet, dass das frühere Westgebiet der Rus ein skandinavisch-slawisches Herrschaftsgebiet war und Russland heute nicht als der einzige Staat gilt, der daraus hervorging. Belarus grenzt im Nordwesten an Litauen und Lettland, im Osten an Russland, im Süden an die Ukraine und im Westen an Polen. Mit einer Fläche von rund 207.000 km² und knapp 9,5 Millionen Einwohnern ist das osteuropäische Land sehr dünn besiedelt, seine Einwohnerdichte liegt bei nur 46 Einwohnern pro Quadratkilometer. Die Bevölkerung konzentriert sich dabei besonders auf den urbanen Raum: als Landeshauptstadt zählt das zentral gelegene Minsk allein fast 2 Millionen Einwohner. Die Großstädte Gomel, Mogiljow, Grodno und Brest machen mit zusammengerechnet 1,6 Millionen Einwohnern einen weiteren Großteil der belarussischen Bevölkerung aus. Die Ballungsgebiete rund um die Metropolen Belarus‘ wachsen stetig, da immer mehr Menschen aus wirtschaftlichen Gründen vom ländlichen in den städtischen Raum migrieren. Die Landflucht stellt mittlerweile ein ernstzunehmendes Problem der Republik dar. Belarus ist ein weitläufig flaches Land mit vereinzelten Hügeln. Seine höchste Erhebung ist die Dsjarschynskaja Hara, die etwa 345 Meter westlich von Minsk in den Himmel ragt. Sie ist Teil des belarussischen Höhenrückens, der die nördliche Landesmitte durchzieht. Aus diesen Moränen-Hügeln entspringen auch die Memel und Bjeresina. Beide zählen zu den bedeutendsten Flüssen der Region. Der wohl wichtigste Fluss in Belarus ist aber der Dnpr. Mit einer Länge von 2.201 Kilometern ist er der drittlängste Fluss in Europa.
Gut ein Drittel des Staatsgebietes ist mit Wäldern bedeckt. Der Süden Belarus‘ wird von den Prypjat-Sümpfen bedeckt, die einst nach dem Prypjat-Fluss benannt wurden, der das gesamte Gebiet mit Wasser flutet. Die Prypjat-Sümpfe gelten mit ihrer Fläche von 90.000 km² als das größte Sumpfgebiet Europas. Bekannt wurde das Gebiet aber vor allem durch die Katastrophe von Tschernobyl, die sich im Jahr 1986 ereignete. Das Kernkraftwerk Tschernobyls liegt allerdings im südlichen, ukrainischen Teil der Prypjat-Sümpfe. Dennoch war die Republik Belarus einer der größten Leidträger der Katastrophe. So wurde ein Großteil des Landes radioaktiv kontaminiert. Bis heute verzeichnet man erhöhte Fallzahlen von Schilddrüsenkrebs in der Region. Ferner wurden gut 25 % des forstwirtschaftlichen Gebietes und rund 20 % der fruchtbaren Ackerfläche sowie etliche Mineral- und Rohstoffquellen durch die Vorfälle unzugänglich gemacht. Die Strahlungswerte der Naturgüter aus der betroffenen Gegend übersteigen noch immer die Richtlinien der Europäischen Union.
Gut zehn Jahre nach der Atomkatastrophe kam Aljaksandr Lukaschenka in Belarus an die Macht und ist bis heute amtierender Präsident. Unter seiner Regierung wird unter anderem der Internet- und Telefonverkehr legal überwacht. Belarus betreibt seit den Zeiten der Sowjetunion eine Planwirtschaft, die durch die starke Bindung zu Russland als relativ stabil bezeichnet werden kann. Weiterhin unterhält Lukashenka enge politische Beziehungen zu Venezuela, dem Iran, der Volksrepublik China und Nord-Korea. Die Republik Belarus gilt als letzte Diktatur Europas und rückte zuletzt durch die Proteste um die Präsidentschaftswahl 2020 in den medialen Vordergrund. Protestierende und Oppositionelle wurden durch belarussische Militärkräfte inhaftiert und verfolgt. Die Europäische Union steht den Geschehnissen im Land sehr kritisch gegenüber.
Mehr über Europa
- Übersicht aller Länder Europas
- Europäische Hauptstädte
- Flaggen der europäischen Länder
- EU-Mitgliedstaaten
- Höchste Berge Europas
- Längste Flüsse Europas